Thailand
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Phetchaburi, anyone?

Wir verlassen Bangkok über den Hauptbahnhof per Zug in Richtung Süden. Aussteigen wollen wir in Phetchaburi. … Phetcha-was?!

Phetchaburi kennen viele Touristen nur als Durchgangsstation auf dem Weg zu den Inseln im Golf von Thailand. Im Zug halte ich unser Ticket mehreren Thais unter die Nase, da wir nicht sicher sind, wann genau der Zug dort ankommt. Wir haben Folgendes schnell gelernt: Man muss beim Ausstieg hellwach sein, denn in dem Moment wo der Zug hält, bleiben einem ca. 10 Sekunden um diesen zu verlassen. Wenn man dann erst anfängt die Rucksäcke von den Ablagen zu hieven hat man schlechte Karten und man wird den Kampf gegen die Uhr höchstwahrscheinlich verlieren…

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Nur weiß mit dem Aufdruck „Phetchaburi“ auf dem Ticket kaum einer der Fahrgäste in unserer Nähe etwas anzufangen. Das liegt bei dem gegenübersitzenden Paar daran, dass beide Analphabeten sind und das Ticket nicht lesen können, bei den anderen Reisenden scheint es, dass sie den Ort offensichtlich nicht kennen. Aber die Bereitschaft unser Anliegen zu lösen ist hoch und schnell wird die Frage, wann Phetchaburi komme, über mehrere Sitzreihen hinweg diskutiert. Man einigte sich offensichtlich darauf, die fliegenden Händler zu konsultieren, die häufig Zu- und Aussteigen um den Reisenden ihre Leckereien anzubieten. Diese wussten offensichtlich Bescheid und waren sich sicher, dass es eine der nächsten Stationen sein müsste. Fortan steigt die Spannung jedes Mal wenn der Zug langsamer wird und in einen Bahnhof einfährt sowohl bei uns, als auch bei den, mittlerweile zahlreichen, Helfern in unserer Nähe. Viele stecken den Kopf aus dem Fenster, um das Ortsschild schon vor Einfahrt des Zuges zu erspähen, nur um wertvolle Sekunden für uns rauszuholen. Bereit aufzuspringen sitzen wir mit aufgeschnallten Rucksäcken am Rand der Sitzbank. Dieses für alle beteiligten hochintensive Spektakel geht noch 2-3 Stationen so weiter, bis wir tatsächlich im Bahnhof von Phetchaburi einfahren. Einer ruft hektisch „Phetchburi!“, was in meinen Ohren allerdings klingt wie „Run Forrest, Run!“. Aber wir schaffen es. Wir hätten uns sogar noch 5 Sekunden Zeit lassen können, um uns bei allen mit Handschlag zu bedanken.

Die Dunkelheit liegt bereits über dem kleinen Städtchen und uns ist klar, dass es bis zur nächsten Unterkunft nicht mehr als ein paar Kilometer sein können. Da wir inoffiziell als Motto für uns ausgerufen haben: „Wenn eine Strecke erlaufbar ist – dann laufe“, winken wir ab als ein französisches Pärchen uns anbietet ein Tuc-Tuc ins Zentrum zu teilen. Also orientieren wir uns in die Richtung aus der das Kunstlicht noch von weitem sichtbar ist. Wir merken schnell, dass die Einwohner Phetchaburis eher wenige Berührungspunkte mit Menschen aus unseren Breitengraden haben. Für uns ist erfreulich, dass wir ihnen die helle Freude über unsere Ankunft aus den Gesichtern ablesen können. Während wir vollbepackt Richtung Zentrum schlendern, kommen wir eine breite Straße entlang an der sich eine Garküche an die andere reiht. Die tiefen Plastiktische sind vollbesetzt und die Thais, an ihrer abendlichen Suppe schlürfend, winken uns zu und rufen laut „Hello!“ als wir in ihr Sichtfeld eindringen.

Auf die Frage, ob ein Guesthouse in der Nähe sei, bietet uns ein Gemüsehändler direkt eine Mitfahrgelegenheit auf seinem Moped an. Wir bedanken uns, bleiben allerdings unserem Motto treu und laufen dorthin.

Kategorie: Thailand

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Stefan ist ein echter Travel Enthusiast! Sprachen und Reisen sind seine Leidenschaft. Darum hat er auch Englisch und Spanisch studiert. Seit der Weltreise krempelt er seine Karriere gerade komplett um. Seine Lieblingsthemen: das Unbekannte und Outdoorabenteuer.

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