Malaysia
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Per Anhalter durch Tea-World: die Cameron Highlands

„Come and try the tasty and healthy strawberry fruit”. Während wir vergnügt bei Tandoori Chicken und Naan Brot sitzen, zeigt der Flatscreen über unseren Köpfen Werbefilme lokaler Tourenanbieter. „See the biggest flower in the world, the Rafflesia flower.“ Gerade sind wir noch im Bus die steilen Serpentinen gen Tana Rata in den Cameron Highlands hochgejagt, schon werden uns die örtlichen Sehenswürdigkeiten visuell vorgeführt. Es geht mal wieder Schlag auf Schlag.

Auf den Cameron Highlands wird in der Tat ein Kult um die Erdbeere betrieben. Das Hochland ist der einzige Ort Malaysias an dem Erdbeeren kultiviert werden. Gastronomen locken mit Erdbeershakes, Erdbeerkuchen und Erdbeereis und die Einzelhändler verkaufen Kissen in Erdbeerform, T-Shirts mit dem Aufdruck ‚I *Erdbeere* Cameron Highlands und einmal stapft sogar ein Kind auf unsicheren Beinen im Ganzkörpererdbeerkostüm an mir vorbei.

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Wir beide, an deutsche Erdbeerfelder gewohnt, wollen die Touristen am liebsten nach Deutschland umlotsen: Hier laufen die Touristen über die Strawberry-Farm (oder anders formuliert: durch das Gewächshaus) und begutachten die heiligen, jedoch etwas blassen Erdbeeren, die auf Augenhöhe in Blumentöpfen wachsen.

Wegen der Erdbeeren sind wir selbstverständlich nicht gekommen: hier im Hochland liegen die Teeplantagen, es bieten sich sensationelle Ausblicke und ‚trekken’, wie man heutzutage sagt, soll man ganz gut können.

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Das erste Highlight atmen wir praktisch direkt mit dem ersten Atemzug ein: Die Luft ist so rein und kühl, dass wir es zunächst gar nicht wahrhaben wollen und im Guesthouse zweimal nach einem Ventilator fragen, ehe wir dem jungen Mann abnehmen, dass diese hier nachts obsolet sind.In der Lobby schauen wir uns erstmal eine Landkarte an, die aus irgendeinem Grund immer sorgfältig über einer Wäscheleine hängt. 13 verschiedene Trekking-Trails sind darauf eingezeichnet. Darüber hinaus (allerdings handschriftlich) ein paar unumgängliche Tipps: „Have fun getting lost here!“ steht zum Beispiel am Ende von Trail 7. Ich muss grinsen, denn dieser Sarkasmus gefällt mir. Wir holen uns verschiedene Meinungen darüber ein, wie lange man für den einen oder anderen Trail braucht und stehen am Ende mit diversen Aussagen zwischen 0,5 und 4 Stunden da. „Schau mer halt mal“, sagen wir uns und schnüren unsere Schuhe. Liefen die nicht unter der Rubrik ‚Trailrunning’ beim Karstadt Sport? Wieder muss ich lachen, denn, ich ahne es, wir werden eher zu den gemütlicheren Trekkern auf Trail Nummer 9 gehören.

Teeplantagen Cameron Highlands

Teeplantage.

So kommt es. Während wir auf dem engen und anspruchsvollen Pfad einem Hirschkäfer bei der Straßenüberquerung zusehen, jagen andere Deutsche an uns vorbei. Als ich aufschaue, sind sie bereits kaum noch erkennbar, aber ich vernehme noch: „war das ´n Hirschkäfer?“

Doch wir kommen voran: Wir treten aus dem Dickicht des Waldes hinaus und genießen atemberaubende Aussichten über die Teeplantagen und marschieren weiter ins Tal zur ‚BOH’ Teefabrik. Nachdem wir uns brav die Schilder über die Geschichte des BOH-Tees durchgelesen haben probieren wir ihn natürlich auch. Ich bestelle den edlen ‚Cameron Gold Breakfast Tea’, denn dieser soll besonders stark sein und verspricht intensivstes Aroma. Als ich zum ersten Mal aus der heißen Tasse nippe, schaue ich über die tiefgrünen Felder und denke mir: „Schmeckt ganz normal nach Tee.“

Trail 1, den wir uns für den Nachmittag vorgenommen hatten, startet am Gipfel des Gunung Brinchang (2000m). Mittlerweile haben wir ein paar Kilometer auf dem Zähler, und unser Misstrauen über die Angaben auf den Schildern wächst. Und da das T-Shirt mittlerweile am Körper klebt und die Beine schwerer werden entlädt sich unsere Aufregung bei jedem weiteren Schild. ‚Gunung Brinchang 7’ steht da. Ich: „Hä, was!? Wir brauchen doch keine 2 Stunden für 3 Kilometer!“ Eine gefühlte Ewigkeit später. ‚Gunung Brinchang 4’. Aylin: „Unglaublich, das müssen Meilen sein!“ Ich: „Niemals, die haben doch das metrische System!“ So geht das noch ein paar Kilometer (oder Meilen. Bin mir jetzt auch nicht mehr sicher) und der Gipfel scheint unerreichbar. „Gunung Brinchang, fürs Erste hast du gewonnen“, denken wir uns und halten unsere Daumen zum trampen raus. Eine malayische Familie, die ein Picknick am Gipfel plant, nimmt uns glücklicherweise mit. Oben angekommen stimmen wir in die erleichterten „Wooohooo“-Rufe des Fahrers ein, auf dessen fahrerisches Können es auf der teilweise extrem steilen Strecke ankam.

Trek 9 ist nicht so einfach

Der Trail wird dieser Bezeichnung nicht gerecht und ist häufig schwer als solcher auszumachen. So stehen wir oft im Gestrüpp und fragen einander: „äh, wo ist denn gerade der Trail?“ Aber es macht Spaß: wir klettern über umgefallene Baumstämme, springen in die Tiefe und konzentrieren uns darauf, wo wir den Fuß als nächstes abstellen. Immer wieder gibt der dichte Dschungel Blicke über malerische Landschaften frei.Die Strategie, häufiger per Anhalter zu fahren, entwickeln wir aus der Not heraus: Nur alle 2 Stunden knattert ein Bus die Hauptstrasse der Highlands entlang. Das verhilft uns allerdings zu einigen interessanten Begegnungen: Wir lernen auf die Art und Weise ein holländisches Paar, ein malayisches Paar und einen englischen Ingenieur kennen, der fast schon verzweifelt einsam wirkt, als er uns fragt, ob wir auf ein Bier mit in den Pub kommen wollen: „Yeah- for 2 days it´s great, but I´m here since nine months and it´s getting boring“.Ja, auf Dauer könnte es hier einsam werden, wir hatten allerdings zwei intensive Tage! Und da wir keine Rafflesia-Flower im Dschungel entdeckt haben, gibt es ja auch einen Grund wiederzukommen.

Kategorie: Malaysia

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Stefan ist ein echter Travel Enthusiast! Sprachen und Reisen sind seine Leidenschaft. Darum hat er auch Englisch und Spanisch studiert. Seit der Weltreise krempelt er seine Karriere gerade komplett um. Seine Lieblingsthemen: das Unbekannte und Outdoorabenteuer.

3 Kommentare

  1. Wow, die Landschaft sieht super aus!
    Das waren bestimmt Angaben in Stunden auf den Schildern.
    So ist es zumindest in den Alpen oft, da man mit den Angaben in Kilometern wenig anfangen kann, weil 2 Kilometer gerade aus und 2 Kilometer bergauf doch sehr unterschiedlich sind.

  2. Boh, kann Urlaub schön sein! Was bedeuten denn nun die Schilder? Gehzeit in Stunden?

  3. Mittlerweile spricht vieles dafür, dass es Stunden waren 😉 da haben wir Wanderanfänger halt mal Lehrgeld bezahlt. Man lernt nie aus!

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