Reisegedanken
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Danke, anonymes Paar!

Wie eine flüchtige Begegnung unsere Reise in Richtung Berge lenkte…

Hinter mir eine vertraute Sprache: Deutsche. Es beginnt die übliche, kurzweilige Unterhaltung. Sobald die W-Fragen abgehakt sind, ebbt sie meist ab. Endlich sitze ich. Aus dem Fenster sehe ich noch einen schmächtigen Kambodschaner meinen Rucksack in den staubigen Gepäckraum hieven. Ich lehne mich zurück, seit 6 Uhr sind wir unterwegs, vor uns liegt wieder ein langer reiner Busfahrtag. Leider darf ich es mir noch nicht ganz gemütlich machen, denn in einer halben Stunde müssen wir unseren Bus noch einmal wechseln.

„Woher kommt ihr? Wohin fahrt ihr? Wie lange schon unterwegs?“

Angesichts der frühen Morgenstund nicht unangenehm. Bei einem Thema bleibe ich hängen: Nepal. Ein Land, das mir so fern vorkommt, nur für echte Abenteurer, solche, die in der Wildnis überleben können (in etwa). Unsere Busgesellen waren dort „kurz“ trekken, 14 Tage. Das klingt in meinen Ohren wie eine Ewigkeit! Laufen, abseits der Zivilisation, den Naturgewalten ausgeliefert, von gewaltigen Bergen eingeschlossen.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich aus Bremen komme, wo der höchste „Berg“, der Friedehorstberg mit stattlichen 32,5 Metern Höhe, sogar noch vom Berg der Mülldeponie übertroffen wird. Als ich meinen Führerschein machte, übte ich „Anfahren bei einer Steigung“ halbherzig in einer Garageneinfahrt.

Als Stefan und ich unsere Reise planten, entschieden wir uns bewusst gegen ein Round-The-World-Ticket. Irgendwie passte es nicht, sich schon auf Routen oder gar Daten festzulegen, wo doch der größte Reiz der Reise im Unbekannten liegt, was auch immer das heißen mag. Natürlich entlastet es, zu wissen, wann man wo sein wird, einen Plan zu haben. Und klar, wir haben uns überlegt, wo wir denn so hin wollen. Aber: das befreiende und entlastende Gefühl, sich noch komplett umentscheiden zu können, wollten wir uns bewahren.

Unsere kurzweilige Fahrt mit dem deutschen Paar vergeht rasch und unverbindlich, noch vor dem Punkt, an dem Namen ausgetauscht werden, steigen wir aus. Schneekuppenbedeckte Berggipfel und endlose Weiten suchen sich ein Plätzchen in meinem Gedächtnis. Eine diffuse Sehnsucht nach diesem Ort, an dem ich die Erhabenheit der Natur spüren kann, entsteht und sucht sich immer wieder einen Weg in mein Bewusstsein. Die Sensation frischer, kalter Bergluft, der Wunsch nach Weitblick, macht sich in mir breit. Und die Herausforderung, zu laufen und zu laufen, einen Berg zu erklimmen, mich der Natur auszusetzen und zu schauen, was das mit mir macht, wird schleichend von einer beängstigenden zu einer reizvollen Idee.

„Und dann stelle ich mir die alles entscheidende Frage:

Warum nicht?“

So kurzweilig und unbedeutend so manche Unterhaltung unterwegs erscheint, manchmal kann ein kleiner Gedanke, die richtige Frage, eine Anekdote, etwas verändern.

Falls also das anonyme Paar diese Zeilen liest: Vielen Dank!

Denn ich schreibe diese Zeilen aus meinem Guesthouse in Kathmandu und werde in wenigen Tagen auf den ersten Trek meines Lebens gehen.

Sonnenuntergang-Berg-Kathmandu

Kategorie: Reisegedanken

von

Aylin zählt sich zur Generation (wh)Y und liebt es, Dinge zu hinterfragen, herumzuphilosophieren und das Leben aus allen Perspektiven zu beleuchten. Gerne auch mit ihrer Kamera. Der zweite Kaffee am Frühstückstisch ist für sie der Inbegriff von Luxus (Zeit + Genuss = Lebensfreude). Wollte mit zart-naiven 16 Jahren mal Journalistin werden und die Welt retten, dieser Blog ist quasi die Erfüllung ihres Mädchentraums.

2 Kommentare

  1. Ein sensationelles Foto aus Kathmandu – überhaupt habt ihr wirklich herausragende Bilder, es macht Spass bei euch zu mitzureisen 🙂

    Stefan

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