Reisegedanken, Weltreise
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Destination: Unknown

Der Gang in das Unbekannte ist sowas wie der Knackpunkt auf Reisen. Im Unbekannten liegen Hoffnungen, Versprechen und Ängste. Doch was bedeutet es überhaupt, einen Gang in das Unbekannte zu wagen?

Für mich: etwas zu erfahren, was man vorher noch nie erfahren hat. Das beschränkt sich nicht nur auf das geographische Vordringen in unbekanntes Gebiet. Die Auseinandersetzung mit irgendetwas Neuem birgt immer eine gewisse Intensität.

Der Restaurantbesucher, der sich bei seinem Lieblingsitaliener statt der gewohnten Spaghetti mal die Tortellini bestellt, dringt in diesem Moment auch in „das Unbekannte“ vor. Möglicherweise wird er eine gewisse Nervosität verspüren, während er auf das Gericht wartet: hoffentlich sind die Tortellini auch lecker! Hätte ich auf die altbewährte Pasta setzen sollen oder entdecke ich mein neues Lieblingsgericht? Seine Nervosität wird sich allerdings in Grenzen halten, denn er ist nur auf einer Ebene in das Unbekannte vorgestoßen. Alle anderen Ebenen wie der Ort, die Menschen, die Gerüche, etc. sind altbekannt.

Fahrradfahren auf Reisen in Kambodscha

In Kambodscha mit dem Rad unterwegs.

Was ist ein Abenteuer? Reisen ist subjektiv.

Wo das Bekannte aufhört und das Unbekannte anfängt ist höchst subjektiv. Überspitzt formuliert: der Eine verlässt den Komfort des Bekannten wenn er sein Desktophintergrundbild ändert, den Anderen kann man mit verbundenen Augen im Dschungel aussetzen und er wird sich immer noch innerhalb seiner Komfortzone bewegen.

Die Reisemotive vieler Individualreisender greifen den Gang in das Unbekannte auf. Man will Kulturen, Orte, Sprachen, Menschen und Speisen  kennenlernen. Im Unbekannten liegt dann das Erstrebenswerte, vielleicht sogar die Essenz des Reisens.

Auf Reisen: 4000 Islands in Laos

Bei den 4000 Islands in Laos.

Immer mal wieder, das kann man kaum verhindern, dringt man auf einer Reise auf mehreren Ebenen gleichzeitig in das Unbekannte hervor. Meistens geschieht das, wenn man sich relativ unvermittelt in einer neuen Umgebung zurecht finden muss. Beispielsweise nach einer langen Busfahrt oder einer Flugreise. Der Moment, in dem man sich umblickt und nichts Vertrautes mehr erkennt, ist für den Reisenden an Intensität kaum zu überbieten. Er ist zunächst gezwungen, sich mit den greifbaren Umstellungen zu beschäftigen: dem Wechselkurs für die Währung, Linksverkehr oder einer neuen Sprache. Dieser Umstellungsprozess allein kann durchaus anstrengend sein.

Reisen kann verdammt intensiv sein.

Doch die eigentliche Intensität rührt aus den weichen, zwischenmenschlichen Themen. Wenn die Menschen fremd aussehen, doch insbesondere ihr Gestus und die Mimik keine Rückschlüsse auf ihr Wesen zulassen. Man eröffnet den Smalltalk, während das Gehirn alle Sinne nach Input abklopft um die Situation einzuordnen. Die existentiellen Fragen des Lebens drängen sich dann in den Kopf: ist man mir hier wohl gesonnen? Bin ich hier sicher? Wo werde ich heute Nacht schlafen? Emotional bewegt man sich im Grenzbereich. Manchmal wächst man genau dann über sich hinaus. Man vermag, von Glückshormonen getragen, eine Hürde nach der anderen zu überspringen: Jogger würden vom Runner’s High sprechen. Manchmal allerdings ist die Reizüberflutung derart unerträglich, dass es einer Kleinigkeit bedarf, um das Fass zum überlaufen zu bringen. Dann handelt kaum Einer kontrolliert. Woran sich das manifestiert ist individuell: der Eine schreit, der Andere heult und der Nächste zieht sich zurück.

Der Blick auf Kathmandu

Blick auf Kathmandu.

Was diese Momente so intensiv macht: man lebt in ihnen. Handeln und Denken synchronisieren sich. Vom Fokus her ist man voll bei der „Außenwelt“. 

Im Extremfall werden erlernte Verhaltensweisen schlichtweg vergessen, man verkörpert dann die rohste Variante seiner selbst. Man kann im Unbekannten viel über Menschen (vor allem sich selbst) erfahren. Das unterscheidet sich vom Agieren auf bekanntem Terrain: da ergreifen oft Gedanken, die entweder in die Zukunft oder in die Vergangenheit gerichtet sind, Besitz von einem.

Das Tolle ist, dass jede Stresssituation dazu beiträgt, eine gewisse Routine auf Reisen zu entwickeln. Wer sich bewusst in unbekannte Situationen begibt, geht gestärkt daraus hervor: Er erweitert den Radius seiner Komfortzone. Diese Entdeckertypen, die von Neugier getrieben, konstant ihre eigenen Grenzen nach hinten verschieben, bewundere ich.

Reisen ins Unbekannte führen immer entlang eines schmalen Grades: hier entstehen Stories fürs Leben, er bereitet die Bühne für persönliche Dramen. Doch an ihm wächst jeder. Bei diesem Vorhaben sollte man Andere immer unterstützen, sie tun sich was Gutes.

Kategorie: Reisegedanken, Weltreise

von

Stefan ist ein echter Travel Enthusiast! Sprachen und Reisen sind seine Leidenschaft. Darum hat er auch Englisch und Spanisch studiert. Seit der Weltreise krempelt er seine Karriere gerade komplett um. Seine Lieblingsthemen: das Unbekannte und Outdoorabenteuer.

2 Kommentare

  1. Toll geschrieben, Kompliment! Passt gerade wie die Faust aufs Auge für mich. Auf dieser Reise habe ich mich so oft ins Unbekannte begeben, dass ich wieder viel über mich lernen durfte und meine Grenzen noch weiter verschieben konnte. Und doch muss ich gerade wieder erleben, wie fremd man sich trotz dieser Erfahrungen nach der x-ten radikalen Reise fühlen kann. Und wie schwer es ist, sich nicht völlig in sich zu verlieren. Manchmal ist es unglaublich schwer das auszuhalten und doch sind es gerade diese Erfahrungen, die mich so süchtig vom Reisen gemacht haben. Es bleibt oft ein Drahtseilakt. Liebe Gruesse! Oleander

  2. Danke Oleander,
    zu dem Thema kann man wahnsinnig viel schreiben! Wahnsinn, dass dir deine Reise soviele Erkenntisse geliefert hat. Deine Berichte, vor allem aus Nepal, haben mich schwer beeindruckt. Ich denke, man muss eine gute Balance finden: mich nur im „Unbekannten“ zu bewegen wuerde ich ueber einen laengeren Zeitraum kaum aushalten. Dann braucht man Momente der Reflektion und freut sich ueber altbewaehrte Rituale! Alle Gute Dir!

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