Amerika, Fotostory, Kolumbien, Südamerika
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Kolumbien in Momentaufnahmen

Da waren wir nun, in Kolumbien, ohne Plan und nicht so ganz im Reisemodus. Das änderte sich glücklicherweise sehr schnell. Kolumbien ist mehr als nur eine Reise wert. Von Bogotá fahren wir in ein kleines Juwel: Villa de Leiva, dort ist es genauso schön, wie der Name klingt. Eine Fería findet in der Woche statt, zu Ehren von einer der unzähligen heiligen Vírgenes (Jungfrauen), die in Südamerika verehrt werden. 

Die Kolumbianer erobern rasch unsere Herzen. Gleich am ersten Abend kaufen wir in einem kleinen Laden verschiedene Käsesorten, Brot und Salchicha. Als wir uns verabschieden, kramt der Ladenbesitzer in einer Tüte und holt ein kleines Säckchen raus. Um uns in seinem Land Willkommen zu heißen, schenkt er uns eine Tüte Beeren. Und siehe da, wir kamen gut an!

Villa de Leyva

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Nachtbus & Hirngespinst

Eigentlich bin ich nicht in der Stimmung für lange Strecken und viele Stunden im Bus. Aber wir wollen noch einmal das Meer sehen. Die Strecke an die Küste beläuft sich auf geschmeidige 10 Stunden, wir entscheiden uns für einen Nachtbus. In der Hoffnung, dass die Stunden im Dämmerschlaf schneller vorbeiziehen. In einem Reiseführer, den ich mir ausgeliehen hatte, wurde von der Nachtfahrt auf dieser Strecke aufgrund von Überfällen abgeraten. Doch die freundliche Ticketverkäuferin versichert, es sei sicher. Ich habe ein mulmiges Gefühl. Ausgerechnet auf den ersten beiden Sitzen mit Blick auf die Straße vor uns harre ich nervös die Nacht aus. In meinem Kopf gehe ich Thriller-Szenarien durch. Stefan schlummert neben mir vollkommen relaxt. Die entgegenkommenden Lichter jagen mir einen Schrecken ein, ich vermute hinter jedem Baum einen Räuber. Es sind lange zehn Stunden. Natürlich hat mir mein Kopfkino einen bösen Streich gespielt, wir kommen sicher in Santa Marta an. Außer der Hitze scheint hier nichts gefährlich.

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Santa Marta liegt zwar an der Karibikküste, das Flair kommt aber nicht auf. Wir schlafen in einem staubigen, 35 Grad heißen Raum, kein Luftzug. Erst in La Jorará und Palomino zeigt sich das Meer von seiner schönen Seite. Dem süßen Nichtstun fröhnen wir ein paar Tage, dann geht es in die alte Piratenstadt Cartagena.

Michael Jackson & Burger

Cartagenas Altstadt ist aus dem Ei gepellt, Boutiquen, Touristen, Nippesverkäufer. Auf einem Platz beobachten wir einen Straßenkünstler, der Michael Jackson imitiert. In regelmäßigen Abständen strömt eine Gruppe Kreuzfahrttouristen herbei. Entzückt über das dargebotene Schauspiel ziehen sie die Spiegelreflexkameras, posieren mit dem kolumbianischen Jackson.

Unser Highlight ist der Plaza Trinidad, an dem nach Sonnenuntergang junge Leute auf dem Boden oder den Kirchentreppen hocken, ein Aguila trinken und sich in die lange Schlange des mobilen Burger-Standes reihen. Akrobaten bezirzen das Publikum, zücken ihren Hut und sammeln ein paar Pesos ein. Kleine Jungs spielen Fußball, aufgedonnerte Mädels in Feierstimmung stolzieren unauffällig über den Platz. Kolumbianischer lauer Sommerabend.

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Nachtbusfahrt II – zum K*tz*n

Eine weitere lange Nachtfahrt. 13 Stunden. Von Cartagena nach Medellin fühle ich mich zwar sicher, mein Magen spielt allerdings nicht mit. Von der Küste geht es in die 1500 m hoch gelegene 2,7 Millionen Metropole. Der Bus windet sich die Serpentinen hoch, schemenhaft erkenne ich die Landschaft, die saftigen Wälder, die Silhouetten der Berge. Ich reiße die Mülltüte neben meinem Sitz ab. Drei Mal muss ich mich übergeben. Ein Mann schaut kurz interessiert herüber, sonst interessiert sich keiner. Ich zähle die Minuten, bis wir endlich am Terminal ankommen.

Berühmt-berüchtigt für Pablo Escobar´s Kokain-Mafia war Medellin viele Jahre eine No-Go-Zone auf der Traveller-Landkarte. Das hat sich (zu Recht) geändert. Wir erleben eine blühende, freundliche Stadt. Stolze Paisas, die sich über unseren Besuch freuen. Wir Glückspilze sind zur Fería de las Flores, dem Blumenfestival und Highlight des Jahres, in der Stadt.

Höhepunkt der Fería ist die Parade der Blumenträger, die aufwendige und bis zu 100 (!) Kg schwere Blumenkörbe tragen. Prachtvoll, fröhlich und vor allem: Bunt.

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Südwärts

Eigentlich wollte ich für eine lange Zeit nicht mehr nachts Bus fahren. Die Vernunft schlägt mein Gefühl. Mit ein paar Anti-Übelkeitstabletten intus fahren wir nach Popayán.

Ipiales

In der Grenzstadt Ipiales schlagen wir nur ein kurzes Nachtlager auf, um die lange Busfahrt zu unterbrechen. Unser Hotel scheint ein spezielles Publikum anzuziehen (siehe Foto unten), aber nach gründlicher Bettlakeninspektion fallen wir in einen Tiefschlaf. Im Morgengrauen sitzen wir am Busbahnhof, warten auf einen Colectivo und beobachten die schwer bewaffneten Militärs. Es ist befremdlich die teilweise beinahe jugendlich aussehenden Soldaten mit riesigen Maschinengewähren zu beobachten. Meinen Blick kommentiert ein Kolumbianer mit einem Lächeln: „Estamos en el tercer mundo.“ (Dt: Wir sind in der dritten Welt).

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Ein Hauch von Abenteuer durchflutet mich, als wir uns in den Minivan setzen, der uns zur ecuadorianischen Grenze fährt…

Kategorie: Amerika, Fotostory, Kolumbien, Südamerika

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Aylin zählt sich zur Generation (wh)Y und liebt es, Dinge zu hinterfragen, herumzuphilosophieren und das Leben aus allen Perspektiven zu beleuchten. Gerne auch mit ihrer Kamera. Der zweite Kaffee am Frühstückstisch ist für sie der Inbegriff von Luxus (Zeit + Genuss = Lebensfreude). Wollte mit zart-naiven 16 Jahren mal Journalistin werden und die Welt retten, dieser Blog ist quasi die Erfüllung ihres Mädchentraums.

2 Kommentare

  1. Hey,
    tolle Bilder von Kolumbien. Wie lange wart ihr? Bin derzeit schon einen Monat hier und plane mit bestimmt weiteren 2 Monaten. Dieses Land hat soviel zu bieten!

  2. Dann hast du ja richtig viel Zeit! Wir waren auch von Kolumbien absolut begeistert. Haben vier Wochen dort verbracht Gute Reise weiterhin!

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