Amerika, Bolivien, Südamerika
Kommentare 4

Eine Nacht auf der Isla del Sol im Titicacasee

Isla del Sol Panorama

*Augsburger Puppenkiste

Isla del Sol – Sonneninsel – das ist ja schon der schönste Name überhaupt für eine Insel.

Inseln sind für uns immer etwas besonderes. Die Isla del Sol liegt inmitten des Titicacasees. Das besondere ist hier erstmal die schiere Größe des Sees. Ein See so groß, dass wir uns zwei Stunden in ein Motorboot setzen müssen, um von Copacabana am bolivianischen Festland aus zur Insel zu gelangen. Vom Ufer aus, kann man nicht auf die andere Seite des Sees blicken. Irgendwo am Horizont schneidet das Wasser den Himmel. Intuitiv denke ich die ganze Zeit wir seien am Meer.

Bolivien Isla del Sol Panorama

Bolivien Isla del Sol Aussicht

Die meisten Besucher nehmen morgens die Fähre an den Nordteil der Insel, marschieren einmal in einer straffen Wanderung quer über das Eiland und legen am Nachmittag schon wieder ab. Wir nehmen uns etwas mehr Zeit, suchen uns eine Unterkunft und quartieren uns für zwei Nächte ein.

Zum Glück, so stellt sich heraus, haben wir nicht gleich eine Unterkunft an der Anlegestelle gewählt. Wir sind die steilen Treppen in das Innere der Insel hochgegangen und schauen jetzt von der Terrasse unserer Unterkunft in die Ferne. Das Wasser glitzert, die Sonne gleißt hell und unser Blick geht Richtung Isla de La Luna, der kleinen Nachbarinsel der Isla del Sol. Unheimlich schön ist das hier alles.

Bolivien Isla del Sol Sonnenaufgang

Bolivien_Isla_del_Sol_Mann_am_See

Es wird früh Nacht auf der Isla del Sol

Es liegt eine eigenartige Stimmung auf der Insel, als abends die Dämmerung hereinbricht. Die Tagestouristen sind längst am Festland und es wird schlagartig stockfinster. Es gibt zwar Strom auf der Insel, allerdings keine Straßenbeleuchtung. Menschen sind kaum draußen, sowieso sieht alles zu aus. So kommen wir uns etwas aufdringlich vor, als wir uns mit der Taschenlampe vortasten, in die verlassenen Restaurants leuchten und jedesmal zaghaft rufen: Ist hier jemand? Tatsächlich findet sich eine Frau, die bereit ist die Küche nochmal anzuschmeißen. Es gibt den allgegenwärtigen Titicacasee-Klassiker: Forelle.

So ist das, wenn man keine künstliche Beleuchtung hat: Es ist oft früher als man denkt. Wir tigern seit zwei Stunden durch die Dunkelheit und denken es sei mitten in der Nacht. Als wir ins Zimmer zurückkehren, ist es gerade einmal 20:00 Uhr. Es wird bitterkalt, so dass uns nun auch nichts besseres mehr einfällt, als unter mehreren Bettdecken zu verschwinden und den Tag für beendet zu erklären.

Einmal quer über die Insel

Am nächsten Morgen starten wir unsere Wanderung an das andere Ende der Insel. Sobald wir die kleine Siedlung Yumani verlassen, treffen wir kaum noch Menschen an. An einer Stelle passieren wir eine Art Checkpoint, wo uns ein paar zahnlose Männer einen Wegezoll entlocken. Spanisch ist auch für sie eine Fremdsprache, auf der Insel wird Aymara gesprochen.

Irgendwann, weil wir gerade Lust haben, verlassen wir den Pfad und laufen querfeldein über Felder und Hänge. Wir scheinen in das Hoheitsgebiet eines ziemlich aggressiven Vogels geraten zu sein, der immer wieder im Sturzflug auf uns herabschießt und erst im letzten Moment abdreht. In der Hoffnung, uns ein wenig Respekt zu verschaffen, ergreifen wir unterschiedliche Maßnahmen: Ich fuchtele ausladend mit den Armen über dem Kopf herum, Aylin schmeißt einen Stein in Richtung des gefiederten Angreifers.

Gelegentlich kommen wir an Inselbewohnern vorbei, die mit Eseln oder Lamas im Schlepptau unseren Weg kreuzen. Andere sitzen stundenlang auf dem Boden, während die Schafherde grast. Die Begegnungen sind zwar von gegenseitigem Respekt geprägt, die Kommunikation endet allerdings immer bereits nach der Begrüßung. Schade, denn ich hätte gerne gewusst, was man als einer der 2000 Inselbewohner so über sein Dasein denkt. Ob der Blick sehnsüchtig über den Titicacasee in die weite Welt geht, oder ob das beschauliche Leben auf der Isla del Sol genau das ist, was man konservieren möchte? Dieses Perspektivdenken, diese Grundannahme, dass man im Leben ständig „weiterkommen“ muss, legen wir ja nur als Schablone an.

Bolivien Isla del Sol Schafsherde

Isla_del_Sol_Viewpoint

Als wir nach Copacabana zurückkehren, treffen wir auf ein paar ungepflegte westliche Typen, die uns alle denkbaren Drogen anbieten. Erstaunlich viele von diesen befremdlichen Zeitgenossen hängen hier in den Straßen rum. Was für ein Kontrast zu den hart schuftenden Einwohnern der Isla del Sol. Um den liebenswerteren Menschen zuzuwirtschaften, essen wir lieber nochmal eine Forelle an den Ständen am Ufer.

Bolivien_Copacabana_Titikakasee

Bolivien_Copacabana_Kathedrale Bolivien_Copacabana_Markt
Kategorie: Amerika, Bolivien, Südamerika

von

Stefan ist ein echter Travel Enthusiast! Sprachen und Reisen sind seine Leidenschaft. Darum hat er auch Englisch und Spanisch studiert. Seit der Weltreise krempelt er seine Karriere gerade komplett um. Seine Lieblingsthemen: das Unbekannte und Outdoorabenteuer.

4 Kommentare

  1. Liebe Aylin, lieber Stefan,
    toller Bericht und traumhafte Fotos. Auch uns hat die Isla del Sol sehr gut gefallen 🙂

  2. Pingback: Córdoba, ein Hoch auf das Urbane! | Today We Travel

  3. Pingback: Reise-Frei auf Gili Air | Today We Travel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.