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Pinke Flamingos und rotes Wasser: die Salar de Uyuni in Bolivien

Die endlose Weite, karge Wüstenlandschaften, Flamingos und Lamas, der beißende Wind in der kalten Höhenluft, im Kontrast dazu die glühende Sonne… Dass die Salar de Uyuni in Bolivien landschaftlich fantastisch und einzigartig ist, muss an dieser Stelle nicht mehr gesagt werden. Die spannendere und deutlich größere Herausforderung ist, einen vernünftigen Touranbieter für die dreitägige Wüsten-Jeep-Tour zu wählen. Die entscheidenden Variablen: Durchhaltevermögen des Jeeps und Zustand des Fahrers. Oder andersherum.

Nachdem das Konsultieren mehrerer Reiseblogger unseres Vertrauens keine eindeutige Präferenz für einen Anbieter hervorbrachte, zogen wir Bewertungsportale im Internet zurate. Das ist in etwa so aufmunternd, wie Krankheitssymptome zu googlen. Also gingen wir am Ende nach unserem Bauchgefühl und buchten unsere Tour durch die Salar de Uyuni bei einer der über 70 Agenturen und hofften einfach auf das Beste.

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Luis, der Racer in Crocs

Prüfend blicke ich Edwin nach, der Stefan und meinen 12 Liter-Wasservorrat (man kann ja nie wissen) packt und bereits energisch zum Jeep läuft. Klein gewachsen, kantiges Gesicht, Trainingshose. Aber er wirkt nüchtern. Das sollte kein Thema sein, meint man, ist er doch Fahrer. Aber scheinbar ist der Alkohol eine der wenigen Freuden, die das Leben in der kargen, zugegebenermaßen hässlichen, Wüstenstadt Uyuni  versüßt. Die Fahrer, die gleichzeitig Guide, Mechaniker und Koch spielen müssen, schauen gern tief ins Glas- dass das nicht immer zuträglich fürs Autofahren ist, nunja.

Gerade als Edwin unseren Rucksack aufs Jeepdach hieven will, werden wir gerufen. Nicht das Auto, sondern ins Andere! Skeptisch blicke ich also rüber, da steht ein kräftiger, kleiner Mann mit verspiegelter Sonnenbrille. Haarschnitt á la Evo Morales (also viel Haar in die Stirn gekämmt), Formel-1-Jumpsuit in beige-rot. Nur die gefälschten Crocs an seinen Füßen brechen den Stil des Rennfahrers. Wortlos schnappt er sich unseren Rucksack und zurrt ihn auf dem Jeepdach fest. Das ist also unser Fahrer, der Mann, auf den wir drei Tage vertrauen: Luis, der Racer.

Rostige Züge & Meterhohe Kakteen

Bevor wir in die eigentlich Salzwüste hineinfahren, machen wir einen Halt am Zugfriedhof, der Name sagt schon alles. Und dann fahren wir in sie hinein: die unendliche Salzwüste, eine menschenfeindliche Zone. Und genau das macht die Faszination aus:

„Was wäre, wenn ich hier nun ausgesetzt würde? Wie lange würde ich überleben, könnte ich aus eigener Kraft hier weg?“

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 „This guy is fucked!“

6.30 Uhr in der Früh. In unserer Nachbargruppe ist die Laune schlecht. Angespannt. Ein wenig verzweifelt. Edwin, bei dem ich gestern noch gern in den Jeep gestiegen wäre, ist besoffen.

S T I N K H A G E L V O L L.

Er kann kaum noch gerade laufen. „Ok, we have to make a big dicision right now. This guy is fucked!“ Nach einigem Hin und Her schüttet sich Edwin einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf, stopft sich eine handvoll Kokablätter in den Mund und grummelt, er könne fahren. Anscheinend ist es keine Option, dass jemand anderes den Jeep fährt. Fahrerstolz? Mannesehre? Oder einfach nur ein sturer Selbstüberschätzer?

Luis sagt kaum ein Wort, die eine Backe voller Koka, dafür kraxelt er bereits auf dem Jeepdach herum und zurrt Rucksäcke fest. Auf meine Frage, ob er gut geschlafen habe, murrt er ein leicht ironisch klingendes „Con los angelitos“ (Mit den Engelchen). Die Ansage ist deutlich, reden ist noch nicht. Mit den ersten Sonnenstrahlen fahren wir durch die Salzwüste. „My Heart Will Go On“ von Celine Dion ist unser Morgensoundtrack.

Wir haben den nüchternen Fahrer, aber das schlechtere Auto. Beziehungsweise die schrotten Reifen. Nach zwei Stunden schlingern wir, Reifen Nr.1 ist geplatzt.

Dieser alte Disney-Film geht mir durch den Kopf, als wir plötzlich, so mitten im Nichts, auf eine Lagune treffen. Pinke Flamingos staksen graziös durch das schlammige Wasser und picken nach Mikroorganismen, die im salzigen Wasser leben. Ich bin baff. Die Wüste lebt.

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Geysire und Reifenpanne Nr. 2 und 3

Um 5.30 Uhr sitzen wir bereits wieder im Jeep, Dank billigem Rotwein schlief ich rasch ein. Wir wurden bereits gewarnt, der letzte Tag sei „Pesado“ (Anstrengend). Es geht noch einmal hoch hinauf, auf etwa 5000 Metern Höhe befinden sich Geysire, aus denen Schwefeldampf aufsteigt. Ein surreales Bild.

Luis wirkt müde, er kaut auf seinen Kokablättern, die Sonnenbrille scheint er nie abzunehmen. Er ist ein wortkarger Mann, aber irgendwie trotzdem sympathisch. Die wenigen Sätze, die er ernst und in einem speziellen Sing-Sang ausspricht, wirken auswendig gelernt. Er spricht, als käme am Ende des Satzes ein Doppelpunkt. „La vicuna es: Salvaje“. (Das Vicuna ist: wild). „Ahora vamos a la Laguna: Colorada.“ (Jetzt gehen wir zur: Lagune). Er merkt sich nicht unsere Namen, sondern Merkmale. Ein Australier mit asiatischem Migrationshintergrund ist nur der „Mediochino“ (Halbchinese).

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Nach vier Stunden Fahrt platzt Reifen Nr. 2. Wieder stehen wir mitten im Nirgendwo, was immer ein wenig unangenehm bezüglich der Pinkelplatzsuche ist.

„Es comunitario“ erklärt Luis. Jedes Mal, wenn jemand eine Panne hat, wird angehalten und geholfen. Und so hält rasch jemand für uns und spendet uns den eigenen Ersatzreifen. Das wird eine weitere Stunde später noch einmal notwendig. „Mierda“ (Scheiße) ist Luis´einzige Reaktion, während er den Reifen wechselt.

Er kippt sich mehrfach kaltes Wasser über den Kopf und kaut weiter auf seinen Kokablättern. Ich habe ihn an den drei Tagen nichts Essen sehen. Kurz bevor wir mit dem Abendrot in Uyuni einfahren, murmelt Luis etwas vor sich hin und bekreuzigt sich. Morgen geht der Spaß für ihn von vorne los…

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Tipps für eine Salar de Uyuni Tour:

Organisation und Kosten: In Uyuni gibt es zahlreiche Touranbieter. Die Touren starten um 10.30 Uhr, wenn man mit einem Nachtbus in der Früh ankommt, kann man die Tour i.d.R. am gleichen Tag starten. Die Kosten für die dreitägige Tour liegen bei etwa 700-900 Bolivianos (ca. 80-100 Euro). Schlafsäcke kann man für ca. 50 Bolivianos mieten, denn in der Nacht wird es sehr kalt.

Unterkünfte: Auf der Tour sind die Unterbringungen einfach (kalte Dusche, meist Gemeinschaftszimmer). In Uyuni gibt es zahlreiche Hostels und Hotels.

An- und Weiterreise: Nacht(Bus) aus La Paz (ca. 10 Stunden). Mit dem Zug Weiterreise nach Villazon an der argentinischen Grenze (ca. 10 Stunden) möglich. (Fahrplan hier). Wer weiter nach Chile möchte, kann dies mit der Tour verbinden: die Tour endet dann an den heißen Quellen, wo ein Weitertransport nach Chile wartet.

Kategorie: Amerika, Bolivien, Fotostory, Südamerika

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Aylin zählt sich zur Generation (wh)Y und liebt es, Dinge zu hinterfragen, herumzuphilosophieren und das Leben aus allen Perspektiven zu beleuchten. Gerne auch mit ihrer Kamera. Der zweite Kaffee am Frühstückstisch ist für sie der Inbegriff von Luxus (Zeit + Genuss = Lebensfreude). Wollte mit zart-naiven 16 Jahren mal Journalistin werden und die Welt retten, dieser Blog ist quasi die Erfüllung ihres Mädchentraums.

3 Kommentare

  1. Anonymous sagt

    Vielen Dank für Eure sehr lesenswerten Beiträge! Eine Frage zu eurem „Marschgepäck“: Habt ihr eigene Schlafsäcke dabei, oder leiht ihr die jeweils vor Ort? Mich würde interessieren, was ein Schlafsack aushalten sollte, wenn man damit durch das bolivianische Hochland reist. Viele Grüße, Michael

  2. Hallo Michael, klasse, dass Dir unsere Beiträge gefallen! Schlafsack ist so ne Sache: Wir haben uns gegen einen eigenen Schlafsack entschieden- da uns der zu groß ist und wir ihn nicht so häufig nutzen. Für die Tour haben wir uns einfach einen Schlafsack gemietet (50 Bolivianos).

    In vielen Gegenden, wo zB für eine Tour ein Schlafsack notwendig ist, kann man ihn auch leihen/ mieten.

    Wenn Du lieber einen eigenen mitnehmen möchtest und Dir das Mehrgepäck nix ausmacht, dann würd ich einen für Temperaturen um 0 Grad entscheiden (in den meisten Unterkünften werden zumindest Wolldecken gestellt).

    Wenn Du mehr Fragen hast, immer gern 🙂

    LG Aylin

  3. Pingback: Córdoba, ein Hoch auf das Urbane! | Today We Travel

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