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Nachhaltiges Reisen: 4 Tipps, die eine Menge bewirken

Nachhaltiges Reisen ist relevanter denn je. Was wir tun, um unseren ökologischen Fußabdruck klein zu halten, haben wir hier zusammengefasst. Herausgekommen sind 4 Tipps, die das Reisen sogar noch bereichernder machen.

Wir Menschen werden eine immer größere Last für die Erde – denn wir setzen ihr gnadenlos zu. Am 2.8. war 2017 bereits Earth Overshoot Day – an diesem Tag haben wir Erdbewohner bereits mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde in diesem Jahr zur Verfügung stellen kann. Der Mensch lebt weit über seine Verhältnisse und das in einer eigentlich so üppigen Welt.

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Weltweiter Massentourismus hat Folgen für die Umwelt.

Aylin und ich sind recht minimalistische Menschen. Zwar keine Konsumverweigerer, die jeden Kauf in Frage stellen, aber wir sehen schon zu, unseren Alltag möglichst nachhaltig zu gestalten. Wir verzichten auf ein Auto, reisen, wenn es geht, mit dem Zug und kaufen uns relativ selten neue Klamotten. Trotzdem ist uns bewusst, dass auch wir keine makellose Klimabilanz haben. (Ein paar Fragen zum Thema Nachhaltigkeit auf Reisen haben wir im Interview bei Migradora beantwortet).

Der Grund dafür ist, ihr ahnt es: das Reisen. Unsere Lieblingsbeschäftigung kann bisweilen ziemlich schädlich für die Umwelt sein. Ein echtes Dilemma. Denn gerade wir Reisefreaks schätzen die Schönheit der Erde ganz besonders. Doch das Gute ist: man kann bereits mit einfachen Mitteln einen recht großen Beitrag dazu leisten, seinen ökologischen Fußabdruck auch beim Reisen klein zu halten. Und vor allem: der Reisespaß wird dadurch nicht kleiner. Im Gegenteil!

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Fachgerechte Entsorgung

Diese 4 Maßnahmen für nachhaltiges Reisen haben sich für uns (und die Umwelt) besonders bewährt:

1. Nachhaltiges Reisen = Langsames Reisen

Wer langsam unterwegs ist, lernt ein Land und eine Kultur viel besser kennen. Denn eins haben wir auf unserer Langzeitreise gelernt: es zählt überhaupt nicht, wie viele Länder man in welcher Zeit „schafft“. Wer so denkt, stresst die Umwelt und sich selbst gleich mit. Es ist so viel sinnvoller sich auf eine Region einzulassen, ein paar Tage länger zu bleiben und die Gegend ausgiebig zu erforschen. Man wird merken, dass es viel mehr Sehenswertes gibt, als man vorher wusste. Und ehe man sich versieht, ist wieder eine Woche vergangen. Wer das Reisen so angeht, erlebt auch einen anderen, besonderen Nebeneffekt: Je mehr man reist, desto stärker wächst das Gefühl, dass die Welt größer und größer wird.

Man kann sogar noch einen Schritt weitergehen und Phasen einbauen, in denen man überhaupt nicht mehr reist: Wir haben den Eindruck, dass man eine Destination viel besser kennenlernt, wenn man auch etwas länger an einzelnen Orten verweilt. Wenn man sich die Chance gibt, den Rhythmus des Lebens vor Ort anzunehmen, kommt man besser mit Einheimischen in Kontakt. Es hat auch eine besondere Magie einen Ort in seiner Alltäglichkeit kennenzulernen: Stadtteile anzuschauen, die nicht im Reiseführer stehen. Mal in einem Café einen ganzen Tag an sich vorbeiziehen zu lassen oder einer Routine nachzugehen, die man auf Reisen eher vernachlässigen würde (joggen gehen, einen Kurs besuchen, picknicken im Park…).

Plötzlich werden Orte, die einem vorher fremd erschienen, wohnlicher – man meint sich ausmalen zu können, wie es wohl wäre, tatsächlich hier zu wohnen. Eine tolle Erfahrung.

Gletscher Patagonien

Vorbeiziehende Gletscher in Patagonien.

Schorcheln in Thailand.

Schnorcheln in Thailand. Auf den Inseln ist Süßwasser teilweise ein echtes Problem. Darum: Pools meiden- das Meer ist ja schließlich direkt vor der Tür 🙂

Geysire Bolivien

Ein Naturschauspiel sondergleichen: Geysire in der Salar de Uyuni in Bolivien.

 

2. Auf Flüge verzichten

Hört sich natürlich zunächst mal etwas heuchlerisch an, wenn wir als Reiseblogger dazu raten, auf Flüge zu verzichten. Schließlich haben wir gewiss ein paar Flugmeilen mehr auf dem Konto, als der Durchschnittsbürger. Auf Fernreisen muss man eben seine Destination anfliegen, wenn man keine Zeit hat, wochenlang über das Meer zu schippern. Wer das, wie wir, häufiger tut, wird für den Planeten zur Belastung. Das wollen wir nicht schönreden.

Doch es gibt ein paar Kniffe, die einen großen Effekt auf die CO2-Emissionen haben können. Direktflüge beispielsweise sind viel effizienter als Routen, mit mehrfachem Umsteigen. Das kann man beim Buchen der Flüge berücksichtigen. Obendrein ist dies ohnehin wesentlich angenehmer, da man schneller am Ziel ist.

Vor allem aber empfehlen wir von Flügen auf kurzen Strecken abzusehen. Unser bestes Argument dagegen ist auch hier, dass die Reiseerfahrung in Wahrheit darunter leidet.

Hier mal ein Beispiel: Viele Reisende fliegen in Indonesien von Java nach Bali. Wir sind dieselbe Strecke auf dem Landweg gereist und haben am Ende mit dem Boot übergesetzt. Auf dem Weg haben wir die die aufregendsten Erlebnisse gehabt (zum Beispiel sind wir einer Einladung zu einer besonderen Haussegnung gefolgt, haben den Vulkan Bromo gesehen und sind zum Kratersee Ijen herabgeklettert). Als wir in Kuta, dem Hauptbadeort von Bali, ankamen, zeigte sich Indonesien plötzlich von einer ganz anderen Seite. Plötzlich waren überall Touristen, McDonald’s und Hotelketten. Wir hätten eine Menge verpasst, wenn wir direkt hingeflogen wären. Diese Reise nach Bali, im wahrsten Sinne des Wortes, war das eigentliche Highlight – nicht der Aufenthalt dort. Das Verzichten auf den Flug hat unsere Reise also nicht behindert, sondern ganz im Gegenteil: bereichert.

Und nicht falsch verstehen: Bali hat auch wunderschöne, ruhige Ecken 🙂

Der Vulkan Bromo auf Java bei Sonnenaufgang

Der Vulkan Bromo auf Java bei Sonnenaufgang.

3. Minimalistisch Reisen

Nachhaltiges Reisen ist: leicht. Allein die Reduktion des Gepäcks kann Emissionen reduzieren, das ist bei einem Flugzeug nicht anders als beim Auto: je schwerer es beladen ist, desto mehr Sprit braucht es. Aber auch hier kann sich die vermeintliche Einschränkung im Nachhinein als Vorteil herausstellen. Nur mit Handgepäck zu verreisen ist entspannter: einfach aus dem Flughafen gehen nach der Ankunft und auch während der Reise nicht soviel schleppen zu müssen – das hat was.

Zug Slowenien Nachhaltiges Reisen

Relaxt unterwegs im Zug.

Nachhaltiges Reisen - Slowenien Fahrrad

Mit dem Fahrrad durch Slowenien….

Nachhaltiges Reisen - Kambodscha Fahrrad

…und Kambodscha

4. Bewusst konsumieren

Ein ganz großer Hebel. Man sollte sich wirklich genau überlegen, ob man sein Geld bei einer internationalen Hotel- oder Restaurantkette lässt (auch wenn diese das süße Gefühl von Vertrautheit in einem fremden Reiseland versprühen), oder ob man lieber kleinere lokale Geschäfte unterstützt. In letzterem Fall trägt man nämlich allein durch seine bloße Anwesenheit zur Entwicklung der lokalen Wirtschaft bei. Meistens kann man die Person, die man unterstützt, sogar persönlich kennen lernen. Die win-win Situation dabei ist: Die Preise sind in lokalen Geschäften ohnehin wesentlich fairer. Und vor allem: Man ißt lokale Spezialitäten, die mit Sicherheit eine gute Öko-Bilanz haben.

Markt Kambodscha

Die besten Naschereien gibt’s in Asien auf den Märkten.

Zu einem bewussten Konsum gehört auch, Souvenirs abzulehnen, die das Ökosystem schädigen (z.B. Korallen, bedrohte Tierarten). Man sollte sich auch fragen, ob man den Elefantenritt in Thailand unbedingt mitmachen muss, wenn die Dickhäuter dort nicht artgerecht gehalten oder gar misshandelt werden. Es lohnt sich auch zu hinterfragen, ob man auf einer tropischen Insel wirklich eine Plastiktüte und einen Strohhalm braucht, wenn man sich ein Getränk im Supermarkt kauft. Und so weiter. Wir müssen ja jetzt nicht alles aufzählen. Klar ist, wer ein paar Kleinigkeiten beim Konsumieren beachtet, kann einen echten Unterschied machen.

Könnt ihr euch mit diesen Tipps anfreunden? Was tut ihr um nachhaltiger zu reisen? Diskutiert gerne mit mir in den Kommentaren.

Übrigens: Den eigenen ökologischen Fußabdruck kann man online berechnen- zum Beispiel hier beim Fußabdrucktest von Brot für die Welt.

Offenlegung: Dieser Artikel ist eine Kooperation mit dem Reiseveranstalter Fairaway.  Als Sozialunternehmen achtet Fairaway bei seinen Reiseangeboten auf Nachhaltigkeit, Klimafreundlichkeit und Fairness. Hier können maßgeschneiderte Individualreisen in Zusammenarbeit mit erfahrenen Reiseexperten gebucht werden. Das unterstützen wir gerne!
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Stefan ist ein echter Travel Enthusiast! Sprachen und Reisen sind seine Leidenschaft. Darum hat er auch Englisch und Spanisch studiert. Seit der Weltreise krempelt er seine Karriere gerade komplett um. Seine Lieblingsthemen: das Unbekannte und Outdoorabenteuer.

3 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden,

    ein wichtiges Thema!
    Weil ihr fragt, ob ich mich mit den Tipps anfreunden kann – auf jeden Fall! Allerdings würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und schauen, in wie weit sich solche Ideen in den Alltag integrieren lassen. Denn die meisten Menschen haben ja nicht das Glück, so viel zu reisen wie Reiseblogger 😉

    Bei unserer großen Reise aktuell haben wir uns auch überlegt, wie diese nachhaltig zu gestalten ist. Deshalb reisen wir konsequent ohne Flugzeug und versuchen z.B., soweit es geht auf Plastik zu verzichten, was leider nicht immer einfach ist. Aber z.B. ist unser neues Vorhaben, Dank eines Wasserfilters den Kauf von Wasserplastikflaschen gegen Null zu reduzieren! Wir sind schon auf die Praxis gespannt 🙂

    Schöne Grüße von unterwegs und euch weiterhin spannende (nachhaltige) Reiseerlebnisse!
    Leo

  2. Hey Leo,

    ja, Du hast vollkommen Recht, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht nur auf Reisen relevant ist, sondern auch Daheim gelebt werden sollte. Die Wasserfilter-Idee ist klasse, sind gespannt, wie gut das bei euch funktioniert? Und übrigens ist eure Reiseart ohne Flugzeug natürlich auch vorbildlich 😉 Vielleicht kennt ihr ja das Buch „Fliegen ohne Flügel“ von Terzani? Das beleuchtet auch ganz wunderbar das langsame Reisen ohne Flugzeug.

    Gute Reise weiterhin & liebe Grüße, auch an Sebastian,

    Aylin

  3. Hey Aylin,

    danke dir für den Buchtipp – habe mir eben das eBook gekauft und freue mich schon sehr darauf! 🙂
    Bislang macht sich der Wasserfilter gut, aber wir haben ihn ja noch nicht lange. Ich bin gespannt, ob er uns langfristig wirklich hilft, unseren Plastikflaschenkonsum zu minimieren, denn das ist unser Ziel.

    Liebe Grüße aus China, auch an Stefan,
    Leo

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