Reisegedanken
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Heimathafen Part 1: Ankommen

Bremen Bürgerpark

Stufe 1. Ankommen. Ausgespuckt aus dem Flugzeug nach eineinhalb Tagen im Transitraum namens „Rückflug“. Santiago de Chile – Panama City – Dominikanische Republik – Frankfurt. Müde Augen, müder Geist. So müde, dass die Größe dieses Moments, zumindest wie ich ihn mir ausmalte, einfach verpufft. Puff. Puff. Pfffff. Ein lommeliger, leerer Luftballon. Keine Trommeln, keine Trompeten, kein Paukenschlag. Einfach nur ein weiterer, stinknormaler Morgen am Frankfurter Flughafen. 22.12.2014. 5.45 Uhr. Doch für mich bedeutet dieser Moment viel mehr: Zurück in Deutschland, nach beinahe 1,5 Jahren reisen. 

Wie immer nach einer durchgemachten Nacht suchen wir erstmal eine Basisstation. Noch nicht raus aus dem Flughafen, denn dann ist man ja „richtig da“. Flughäfen oder auch Bahnhöfe sind wie kleine Inseln des „Dazwischen“. Andersorte sozusagen. Hier gilt ein eigener Rhythmus. Angenehm austauschbare internationale Gewässer. Die Basisstation ist schnell gefunden, Zahnbürste und -pasta liegen wie immer griffbereit, routiniert arbeiten wir unser „müde-nach-Nachtfahrt-Programm“ ab. Erst der eine ins Bad, dann der andere. Und dann sitzen wir zusammengesackt auf diesen schwarzen, nichtssagenden Plastiksitzen. Es ist noch vor 6.00 Uhr in der Früh. Ein Anzugträger mit Schlips und Aktentasche sitzt mir gegenüber und starrt auf sein Smartphone. Eine Beamtin versucht den Besitzer eines unbegleiteten Koffers auszumachen, der im Weg herumsteht. Als der Schuldige gefunden ist, wird er zurechtgestutzt. Ist schließlich Terrorgefahr. Leute beginnen ihre Frühschichten, es herrscht vorweihnachtliche Geschäftigkeit.

Das letzte Foto

Bevor wir uns der Wirklichkeit stellen, machen wir noch ein Abschiedsfoto. Dann noch eins. Und noch eins. Stefan und ich auf dieser Couch, vor uns unsere Rucksäcke wie zwei Kumpanen, die auch mit auf das Foto gehören. Waren schließlich auch dabei. Wir nehmen ein letztes Video für die Travel Episode auf, an der wir in den letzten Wochen unserer Reise arbeiteten. Und dann führt kein Weg mehr daran vorbei, was nun unweigerlich folgen muss: Aus dem Flughafen heraustreten und Ankommen.

Ankommen

An der Rolltreppe trennen sich Stefan und mein Weg. Das erste Mal seit so vielen Monaten. Stefan fährt mit dem Bus nach Stuttgart. Und ich werde mich in einen ICE nach Bremen setzen. Statt Frühstück hole ich mir in alter Reisemanier einen Trinkjoghurt und ein trockenes Brötchen vom Supermarkt. Bescheiden ankommen.

Es ist schweinekalt am Bahngleis. Meine Klamotten (oder ich?) müffeln nach den über 40 Stunden unterwegs. Beinahe schäme ich mich in diesem sterilen ICE, als sich jemand neben mich setzt. Aber nur beinahe. Ich schaue zwei Mal nach, ob ich wirklich in der zweiten Klasse sitze. Alles so hübsch und komfortabel. Der Zug rauscht durch das erwachende Deutschland. Meine ersten Gedanken:

  • die Bäume sind aber hoch. 
  • ziemlich viel Grün, obwohl doch Winter ist.
  • viele Flüsse. Und Hügel.
  • ich sollte öfter Zug fahren. 

Krampfhaft versuche ich, Gedanken festzuhalten, kämpfe gegen den sich mir beinahe aufzwingenden Schlaf an. Als wäre ich jetzt in genau diesem Moment besonders klug und könnte eine Offenbarung verpassen. Trotzdem falle ich bald widerwillig in einen Halbschlaf, wache ab und zu kurz panisch auf, aus Angst, meinen Stopp zu verpassen. Und diesen erreiche ich um 10.44 in Bremen. Part 1 erledigt. Part 2 „Heimkehren“ wird aufwendiger. Gar nicht zu sprechen von Part 3 „Reintegrieren“. …

Fortsetzung folgt.

Dies ist der erste Teil meiner Serie zum Thema Heimkehren nach Weltreise. Wie es dann weiterging, liest Du hier

Kategorie: Reisegedanken

von

Aylin zählt sich zur Generation (wh)Y und liebt es, Dinge zu hinterfragen, herumzuphilosophieren und das Leben aus allen Perspektiven zu beleuchten. Gerne auch mit ihrer Kamera. Der zweite Kaffee am Frühstückstisch ist für sie der Inbegriff von Luxus (Zeit + Genuss = Lebensfreude). Wollte mit zart-naiven 16 Jahren mal Journalistin werden und die Welt retten, dieser Blog ist quasi die Erfüllung ihres Mädchentraums.

10 Kommentare

  1. Hallo Aylin

    Bin ganz zufällig über Facebook auf euren Blog gestossen. Bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Das Heimkommen haben wir mehr als einmal durchgemacht, und weil das Unterwegssein irgendwie besser ist (für uns zumindest), sind wir halt immer unterwegs. Bin echt gespannt, wie es bei euch weitergeht.

    Wünsche euch gutes Heimkommen und Reintegrieren.

    Liebe Grüsse aus Indonesien,
    Reni

  2. Hallo liebe Aylin,

    ich fand ja schon eure Geschichte bei Travel Episodes zu diesem Thema mega toll! Und auch dieser Text trifft den Nagel auf den Kopf. Ich kann das Gefühl so gut nachvollziehen – mir ging es damals nach unserer langen Reise haargenau so. Bin auf die Fortsetzung gespannt!

    Liebe Grüße,
    Kathi

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